Schreibaufgabe Zettelspiel:
Jeder
bekommt einen Zettel auf den er ein Wort schreibt, dann werde
die Zettel an den Nachbarn weitergegeben. Der Nachbar muss das Wort
verbildlichen und den Zettel umklappen. Der nächste sieht nur
das Bild und muss eine passende Beschreibung finden usw. Im Text
müssen alle Wörter/Sätze vom Zettel vorkommen. Der Text darf
außerdem nur aus Hauptsätzen bestehen.
Christlicher
Hedonismus
Den Katholizismus
finden doch alle geil. Ist auch überhaupt kein Problem. Denn die
Erlöserfiguren sehen alle gleich aus. Der Prof startet die
Power-Point. Das projizierte Bild hinter ihm ist zweigeteilt. Rechts
erblickt das Publikum Gott aus Michelangelos Freskentüftelei. Links
flimmert Charles Darwin. Das Publikum steht allerdings noch weiter
links und findet das gar nicht witzig. Über dem Bild steht: „Erzählt
wird die Geschichte zweier alter Männer“. Die linksliberale Meute
bezeichnet den Prof als Klassenfeind und verzieht sich aus dem
Hörsaal. Keiner will den Vortrag über die Gesetzeslage
verschiedener Staaten bezüglich Eugenik und Stammzellenforschung
mehr hören. Das macht den Prof traurig. Außerdem bringt
publikumsloses Sprechen kein Prestige. Das sagt er sich unter Tränen
und er ballt die Faust zum Himmel. Bezahlt würde er werden.
Eigentlich kann ihm das egal sein. Aber der Prof wollte immer schon
mehr. Er merkt jetzt, er kann die Massen mobilisieren. Ficken soll
sich das geisteswissenschaftliche Pack. Den Schwanz lutschen wird dem
Prof leider niemand mehr für eine gute Note. Er macht die
Power-Point aus und beobachtet im learnweb den Rückgang der
Prüfungsanmeldungen. Daran ist bloß Martin Luther und sein reines
Gewissen Schuld. Der alte Drecksack hatte keine Eier im Sack und
keine Moneten. Und Bart trug er auch nicht. Deshalb musste der
Bischof dem reichen Mann fortan den Mittelfinger zeigen.
Der Prof
schreibt eine Mail an den Vatikan. Reden kann er. Als kleiner Junge
war sein Berufswunsch Papst. Er kommt dann mal nächste Woche auf
eigene Kosten vorbei. Die linksliberale Meute nimmt ihn nämlich
nicht mehr mit auf Exkursion. Stattdessen setzt er sich einen
Zylinder auf und ins Taxi. Sein Fahrer heißt Karl Marx und findet
den Zylinder supergeil. Glücklicherweise hat der Prof noch einen
zweiten dabei. Die beiden steigen in Rom aus. Just werden sie von
einem verrückten Karl-Marx-Jesus-Darwin-Imitator auf offener Straße
denunziert. Karl Marx möchte nicht mehr ins Exil, er ist jetzt im
Urlaub. Kurzerhand zitiert er den Spinner wegen Rufmordes und
Identitätsraub vor Gericht. Nach einem langen Prozess wird die
Psychiatrie für schuldig befunden. Die Wärter hätten aufpassen
müssen. Der Typ war ausgebrochen.
Karl Marx und der Prof nehmen das
Schmerzensgeld, diese neuerliche Demütigung hat wirklich wehgetan,
bar entgegen. Währenddessen steht die linksliberale Meute in der
Sixtinischen. Sie haben viel Eintritt bezahlt und freuen sich ihres
Erbes. Das bereitet viel Lust. Sie masturbieren. Seit Luther ist es
ja nicht mehr weit her mit Profit aus großen Bau- und
Beichtprojekten. Man müsse jetzt subtiler arbeiten. So erklären
Karl Marx und der Prof dem Papst die Situation. Der Jesuit namens
Franziskus hört erst noch zu. Karl Marx schlägt Weihnachten, Opium
in Coca Cola und die Taliban vor. Das könnte ein gewinnbringendes,
neutrales Geschäft werden. Irgendwer muss nur das Geld waschen. Die
Schweizer Garde sieht ihr Profil gefährdet. Sie schmeißt den Prof
und Karl Marx raus. Der Papst streckt ihnen den Mittelfinger
hinterher. Sie gehen in die Mall, wollen das Geld dort auf den Kopf
hauen. Aber Coca Cola hat ihnen die Idee schon geklaut und macht
fiese Werbung gegen die Konkurrenz. Der verkleidete Weihnachtsmann
disst Zylinderfiguren hinter Schaufenstern im Kaufhaus mit dem
Mittelfinger. Ohne Aussicht auf mehr Geld macht Geldausgeben keinen
Spaß. Ihnen soll nicht mehr wehgetan werden. Also kaufen Karl Marx
und der Prof die Schaufensterpuppe und fahren heim. Die Puppe hört
ihre Geschichte verständnisvoll an. Aber aus Mitleid lutscht sie
ihnen auch nicht den Schwanz.
LEANDER FISCHER
Tonkunst
Lass uns doch den
Teufel an die Wand boxen mit Druckwelle. Das Teufelchen würde
verprügelt. So verprügelt der Kaspar den Teufel mit einem
Blasebalg. Das gäbe dann noch mehr Druck. Das wäre laut. Das wäre
vielleicht Tonkunst. Tonkunst entsteht in Schallwellen. Die gibt es
nicht nur bei Teufelboxen und geboxten Teufeln. Zwei Hände summen
durch die Luft. Sie drehen Tonkunst.
FIONA SIRONIC
Mauerblümchen
Die Mauer muss weg.
So hieß das damals. Alle haben gesungen. Einigkeit & Recht &
Freiheit. Die ganze Nacht ging das. Mein Papa hat das oft
erzählt. Im Gegensatz zu Mama war der da. Das hat ihn nicht mehr
losgelassen. Irgendwann kam dann die Scheidung. Ist ja aber auch
egal. Ich kann mich jedenfalls kaum erinnern an die Mauer. Ich war ja
noch klein. Das ist lange her. Damals war ich noch lange nicht im
Geschäft.
Heute muss der Rest
der Mauer weg. Das ist gar nicht gut fürs Geschäft. Die Frauen vor
der Mauer müssen nämlich gleich mit. Ich muss also auch mit weg.
Noch fegt die Stadtreinigung morgens Nuttenstängel aus dem
Rinnstein. Das soll sich jetzt aber ändern. Die Politik hat große
Pläne mit dem Viertel. Alles soll schön werden. Ganz neue Häuser
sollen dahin. Townhouses heißen die. Townhouses haben große
Fenster. Die Fenster sind aber nicht nebeneinander. Die sind so
komisch versetzt. Sieht aus wie ne Zeichnung von nem kleinen Kind.
Ich finde das nicht so schön. Aber die ganz neuen Leute sollen das
schön finden. Die ziehen dann mit ihren Kindern in die Townhouses
und die Kinder freuen sich über die komischen Fenster. Die neuen
Leute bringen aber nicht nur ihre Kinder mit. Die bringen vor allem
ihr Geld mit. Das Geld geben die dann in neuen Cafés und Geschäften
aus. Das muss natürlich auch alles gebaut werden. Dafür muss der
Rest der Mauer weg. Das habe ich zumindest in der Zeitung gelesen.
Uns erzählt ja keiner was. Bei Opel oder so gibt es immer einen
riesen Aufstand. Da reden dann die Opelaner im Fernsehen und sagen
Wir wollen unsere Arbeitsplätze behalten. Bei uns gibt es
keinen Aufstand. Bei uns kommt auch kein Fernsehen. Der Job ist legal
geworden. Unschön ist er geblieben und keiner redet drüber.
Wo sollen wir denn
jetzt hin? Du kannst dich schließlich nicht einfach irgendwohin
stellen. Das stellt man sich so einfach vor. Stellt man sich aber
falsch vor. Du kannst dich nicht einfach irgendwohin stellen und
sagen Hey Süßer, hier bin ich. Ein Paar von uns werden es
vielleicht in eine Wohnungen oder einen Club schaffen. Die meisten
aber stehen nicht ohne Grund hier draußen rum. Für eine Wohnung
braucht man Kontakte. Für die Clubs braucht man Klasse. Ich hab
keine Kontakte und immr Lust auf Bier. Das ist hier auf der Straße
kein Problem. Da ist Bier noch voll harmlos. Da gibts ganz andere
Sachen. Das will ich alles gar nicht erst wissen. Ich mag Bier und
mein Bier reicht mir. Das reimt sich ja auch.
Der Chris findet das
sogar richtig witzig. Der bringt immer Ducksteiner mit. Er nennt das
die Ähre der Hure. Der Chris ist schon charmant. Der Chris ist
Klavierspieler. Der spielt auch manchmal für kranke Kinder. Dann
gibt es ein Konzert im Krankenhaus. Das finde ich echt lieb von
Chris. Die Kinder mit Krebs oder so brauchen ja auch mal was schönes.
FLORIAN STERN
Tontaube
Du hältst das
Gewehr über der Schulter. In amerikanischen filmen hast du das so
gesehen. Du befindest dich außerhalb der großen Stadt. Dein Auto
parkt unter den Bäumen. Du bist hier zum schießen. Du bist hier
zum Tontaubenschießen. Deine Hose steckt in braunen
Wildlederstiefeln. Du hast das Haar zurück gegelt. Du folgst einem
Mann mit Hut. Der Mann mit Hut trägt Wildlederstiefel. Der Mann mit
Hut weist dich ein. Sein Dialekt ist für dich schwer zu verstehen. Kurz vor den Schießständen steht eine Bank. Auf der Bank sitzt ein
Pärchen. Die Hose des Mannes steckt in braunen Wildlederstiefeln. Er
hat das Haar zurück gegelt. Die Frau trägt ein Rosafarbenes Kleid.
Sie hat den Pony ins Gesicht gekämmt. Der Man legt seine Hand unter
das rosafarbene Kleid. „Turteltauben.“ Der Mann mit dem Hut stößt
dir in die Seite. Du verstärkst den Griff um das Gewehr. „Die
Vögeln später im Wald.“ Der Mann mit Hut lacht laut. „Wenn zwei
Engel Schmusen schlägt der Himmel Blasenherzen“ Du weißt nicht,
ob du ihn richtig verstanden hast. Du fragst nicht nach. Ihr
erreicht den kleinen Holzverschlag. Du hältst das Gewehr fester. Der
Mann mit Hut korrigiert deine Hände. „Stell dir ne Frau in den
Armen vor.“ Du schließt die Augen. Der Fokus auf dem Ziel.
Tontauben sind dein Ziel. Orange Tontauben. Der Mann tritt ein paar Schritte zurück. Du stehst alleine in dem Holzverschlag. Der Mann
zählt. 3, 2, 1. Das Tontaubenschießgerät schießt die erste
Tontaube in die Luft. Du legst an. Orange ist dein Ziel. Du drückst
ab. Der Schuss hallt über das Gelände. Der Schuss geht ins Leere.
Unversehrt fällt die Tontaube zu Boden. „War wohl nichts“ Der
Mann mit Hut lacht. Auf deiner Oberlippe sammelt sich Schweiß. Du
denkst an die Frau und den Mann auf der Bank. Das
Tontaubenschießgerät feuert die zweite Tontaube ab. Du zielst.
Orange ist dein Ziel. Du drückst ab. Der Schuss halt über das
Gelände. Der Schuss geht ins Leere. Unversehrt fällt die Tontaube
zu Boden. „Hast wohl heute zu warm geduscht.“ Der Mann mit Hut
lacht lauter. Das Tontaubengerät feuert die dritte Tontaube ab. Du
zielst. Orange ist dein Ziel. Du denkst an ein oranges Kleid.
Ihr seid durch den
Wald gelaufen. Du und Das Mädchen im orangen Kleid. Sie hat auf
einen Ast gezeigt. „Die zwei Vögel küssen sich.“ Du hast auf
die schnäbelnden Tauben geschaut. Sie hat gelacht. Der Tauber ist
auf die Täubin gesprungen. Das Mädchen im orangen Kleid hat sich
gegen einen Baum gelehnt. Sie hat das Kleid hochgeschoben. Du hast
ratlos vor ihr gestanden. Auf dem Rückweg in die Stadt habt ihr
geschwiegen.
Du drückst ab. Der
Schuss halt über das Gelände. Der Schuss geht ins Leere. Unversehrt
fällt die Tontaube zu Boden. Der Mann mit Hut lacht schallend. Deine
Hände zittern. Das Tontaubenschießgerät feuert die vierte Tontaube
ab. Du zielst. Orange ist dein Ziel. Ein Oranges Kleid ist dein Ziel.
„Hast wohl keinen Schwanz in der Hose.“ Der Mann mit Hut grinst
verächtlich. Du zielst erneut. Der Mann mit Hut trägt ein oranges
Kleid. Du drückst ab.
HELENE BUKOWSKI





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